Für Ärztinnen und Ärzte
Allgemeine Informationen zum Lungenkrebs-Screening
1. S3-Leitlinie Lungenkarzinom:
2. Grundlegende Studien:
- HANSE-Studie (2025 beendet): Publikation und Website
- NELSON-Studie (2020 abgeschlossen): Publikation
- LUSI-Studie (2019 abgeschlossen): Publikation und Website
- NLST-Studie (2011 abgeschlossen): Publikation
3. Aktuelle Positionspapiere und Statements der DGP und der ERS:
2025 Whitepaper zu Identifikation, Information und Eignungsprüfung von potenziellen Teilnehmern an der Lungenkrebsfrüherkennung in Deutschland
In Deutschland steht die nationale Einführung der Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT) kurz bevor. Im Gegensatz zu anderen Krebs- Screening-Programmen verfolgt das Lungenkrebs-Screening einen risikobasierten Ansatz und richtet sich speziell an starke (inklusive ehemalige) Raucher im Alter von 50– 75 Jahren. Nach mehrjähriger Pilotphase und regulatorischer Vorbereitung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juni 2025 beschlossen, dieses Programm als kassenärztliche Regelleistung ab 2026 einzuführen.
Die Evidenzlage aus großen internationalen Studien zeigt eine signifikante Reduktion der Lungenkrebsmortalität um etwa 20 %. Jedoch bestehen auch Risiken wie Überdiagnosen, unnötige invasive Eingriffe bei falsch-positiven Befunden, Folgekarzinome durch Strahlenexposition und psychische Belastung.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die strukturierte Einbindung qualifizierter Ärzte zur Identifikation, Information und ärztlichen Prüfung der Eignung potenzieller Teilnehmer. Hierfür wurden Fachärzte in fortgeschrittener Weiterbildung der Bereiche Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin und Inneren Medizin nach entsprechender Qualifizierung legitimiert. Dies schließt Pneumologen mit ein, die sicherlich die engsten Berührungspunkte mit der Risikogruppe der Rauchenden haben.
Dieses Whitepaper bietet praxisnahe Informationen und Materialien zur Mitwirkung an der Lungenkrebsfrüherkennung. Es hebt die Relevanz einer engagierten interdisziplinären Zusammenarbeit hervor, um ab sofort bei möglichst vielen Patienten Lungenkarzinome frühzeitig und damit potenziell heilbar zu entdecken.
Torsten Gerriet Blum et al. 2025 in: Pneumologie, eFirst, DOI: 10.1055/a-2697-6434.
2023 Positionspapier zur Implementierung eines nationalen organisierten Programms in Deutschland zur Früherkennung von Lungenkrebs in Risikopopulationen mittels Low-dose-CT-Screening inklusive Management von abklärungsbedürftigen Screeningbefunden (DGP, DRG, DGT)
Der Prozess zur Implementierung der Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-CT (LDCT) in Deutschland hat in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Es wird erwartet, dass der von den Fachgesellschaften kommentierte Referentenentwurf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) zur Lungenkrebsfrüherkennung noch bis Ende 2023 in Kraft tritt. Basierend auf dieser Verordnung wird der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zeitnah ein Programm zur Lungenkrebsfrüherkennung mit LDCT aufsetzten. In diesem Positionspapier stellen die im Lungenkrebs-Screening beteiligten Fachgesellschaften erstmals konkrete Eckpunkte für ein einheitliches, strukturiertes und qualitätsgesichertes Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs in Deutschland vor, um zu diesem Prozess konstruktiv beizutragen.
2020 ESR/ERS statement paper on lung cancer screening
In Europe, lung cancer ranks third among the most common cancers, remaining the biggest killer. Since the publication of the first European Society of Radiology and European Respiratory Society joint white paper on lung cancer screening (LCS) in 2015, many new findings have been published and discussions have increased considerably. Thus, this updated expert opinion represents a narrative, non-systematic review of the evidence from LCS trials and description of the current practice of LCS as well as aspects that have not received adequate attention until now. Reaching out to the potential participants (persons at high risk), optimal communication and shared decision-making will be key starting points. Furthermore, standards for infrastructure, pathways and quality assurance are pivotal, including promoting tobacco cessation, benefits and harms, overdiagnosis, quality, minimum radiation exposure, definition of management of positive screen results and incidental findings linked to respective actions as well as cost-effectiveness. This requires a multidisciplinary team with experts from pulmonology and radiology as well as thoracic oncologists, thoracic surgeons, pathologists, family doctors, patient representatives and others. The ESR and ERS agree that Europe's health systems need to adapt to allow citizens to benefit from organised pathways, rather than unsupervised initiatives, to allow early diagnosis of lung cancer and reduce the mortality rate. Now is the time to set up and conduct demonstration programmes focusing, among other points, on methodology, standardisation, tobacco cessation, education on healthy lifestyle, cost-effectiveness and a central registry.
2019 Positionspapier der Deutschen Röntgengesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zu einem qualitätsgesicherten Früherkennungsprogramm des Lungenkarzinoms mittels Niedrigdosis-CT
Seit dem letzten gemeinsamen Positionspapier der Deutschen Röntgengesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin im Jahr 2011 hat sich die Datenlage zur Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-CT deutlich erweitert und in der 2018 revidierten S3-Leitlinie Lungenkarzinom wird eine schwache Empfehlung zur Lungenkrebsfrüherkennung mit Niedrigdosis-CT in einem qualitätsgesicherten Früherkennungsprogramm ausgesprochen. Diese neuen Entwicklungen erforderten eine Neupositionierung der beteiligten Fachgesellschaften. Das vorliegende Positionspapier beschreibt Grundzüge eines qualitätsgesicherten Früherkennungsprogramms für Lungenkrebs in Deutschland.
4. Rechtsgrundlagen und ergänzende Informationen:
Qualifikation zur Erstberatung für Hausärzte, Internisten und Arbeitsmediziner:
Ärztinnen und Ärzte in diesen Fachgebieten ab dem 3. Weiterbildungsjahr, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, müssen eine zertifizierte Fortbildung absolvieren, um die Erstberatung durchführen und abrechnen zu können.
Hier gelangen Sie zum Qualifizierungsangebot der DGP:
Einschlusskriterien für das Lungenkrebs-Screening:
Das Screening richtet sich an Frauen und Männer mit hohem Risiko für die Entstehung von Lungenkrebs:
- Alter: 50 bis 75 Jahre
- Dauer: mindestens 25 Jahre lang und mindestens 15 Packungsjahre (z.B. 1 Päckchen Zigaretten täglich über 15 Jahre oder mehr) geraucht
- aktives Rauchen oder Rauchstopp vor nicht mehr als 10 Jahren
- keine Thorax-CT-Untersuchung in den letzten 12 Monaten
- dokumentiertes medizinisches Eignungsprofil - z.B. keine limitierenden Komorbiditäten, grundsätzliche Bereitschaft zur etwaigen weiter Abklärung
Vor der Teilnahme erfolgen ein ärztliches Gespräch mit Prüfung der Eignung und eine Rauchstopp-Beratung.
Rechner für Packungsjahre
Ablauf des Screenings
Der Ablauf ist mehrstufig:
- Auswahl geeigneter Teilnehmer und qualifizierte Erstberatung (Hausarzt, Internist, Arbeitsmediziner)
- Niedrigdosis-CT-Untersuchung und Bewertung der Befunde nach einheitlichen, volumenbasierte Lung-RADS-Kriterien (qualifizierter Radiologe)
- Kontrolle oder Abklärung je nach Ergebnis:
- Lung-RADS 1: unauffällig → Kontrolle nach einem Jahr
- Lung-RADS 2: gutartig → Kontrolle nach einem Jahr
- Lung-RADS 3 und 4A: kontrollbedürftiger Befund → Kontrolle nach 6 bzw. 3 Monaten
- Lung-RADS 4A(PET) und 4B: abklärungsbedürftiger Befund → weitere Diagnostik mittels PET/CT bzw. Vorstellung im Zentrum zur klinischen Abklärung mit initialer Fallkonferenz
Ein abklärungbedürftiger Befund ist nur bei max. 3 % der Gescreenten zu erwarten.
Wo finde ich eine Radiologin / einen Radiologen mit Qualifikation zum Lungenkrebs-Screening?
Liste der DKG-zertifizierten Lungenzentren
Nutzen und Risiken
Ein Screening hat Vorteile, aber auch Risiken:
Vorteile:
- Studien haben nachgewiesen, dass ein Lungenkrebs-Screening bei Starkrauchern zu einem Stadienshift bei der Lungenkrebsdiagnose führt.
- Lungenkarzinome werden häufiger und in früheren Tumorstadien mit besserer Prognose diagnostiziert.
- Eine Reduktion der Lungenkrebs-bedingten Mortalität ist vielfach nachgewiesen, wobei Frauen noch mehr profitieren als Männer.
- Die Beratung zum Lungenkrebsscreening bietet Gelegenheit zu einer Kurzintervention zum Rauchstopp, der wirksamsten Maßnahme gegen Lungenkrebs.
- Relevante Begleiterkrankungen der Thoraxorgane können im Niedrigdosis-CT ebenfalls diagnostiziert werden.
Risiken:
- Falsch-positive Befunde (d.h. Krebs-Verdacht, der sich nicht bestätigt): Untersuchungen oder Eingriffe können die Folge sein, die sich als unnötig herausstellen.
- Falsch-negative Befunde (d.h. ein Krebsbefund wird nicht erkannt): Das kann gelegentlich z.B. bei sehr schnell wachsenden Tumoren vorkommen.
- Überdiagnostik und Übertherapie: Tumoren werden entdeckt und behandelt, die im Leben des/der Betroffenen niemals eine Bedeutung bekommen werden. Darum ist die individuelle Beratung so wichtig.
- Strahlenbelastung: Auch das Niedrig-Dosis-CT ist mit einer Strahlenbelastung verbunden. Bei korrekter Durchführung überwiegt jedoch der Nutzen des Screenings die Risiken deutlich.
Hierüber klärt die Ärztin oder der Arzt bei der Erstberatung auf. Wenn die teilnehmende Person Nutzen und Risiko verstanden hat und einen möglichen Lungenkrebs-verdächtigen Befund auch weiter abklären lassen würde, sollte eine Computertomographie zur Früherkennung durchgeführt werden. In Ermangelung von Studiendaten obliegt es der ärztlichen Einschätzung, ob das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis die Screening-Maßnahme rechtfertigt. Ziel ist es, Krebs früh zu erkennen – aber gleichzeitig unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Entscheidend: die richtige Auswahl der Teilnehmer in der Erstberatung und viel Erfahrung bei der Bewertung von Befunden (Rundherde).
Tabakentwöhnung als Schlüssel
Das Screening allein reicht nicht aus.
Der wichtigste Schritt zur Senkung des Risikos bleibt: mit dem Rauchen aufzuhören. Deshalb soll jede Screening-Teilnahme mit einem Angebot zur Rauchentwöhnung verbunden werden.
Tabakentwöhnung mit Fortbildungsangeboten der DGP
Angebote zur Rauchstoppberatung und zur Tabakentwöhnung